Johann Kornelius Martens

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Martens, Johann Kornelius geb. 7.6.1875 in Einlage (Ukraine), erschossen 1938 (?); verheiratet ca. 1897 in erster Ehe mit Katharina (geb. Janzen), gest. 1921, 14 Kinder (6 als Kleinkinder gest.); heiratete 1922 Maria (geb. Janzen, verwitwete Kornelius Peters), die 4 Stiefkinder in die Ehe brachte.

ca. 1890-96 Studium an der Chortitzer Zentralschule und den zweijährigen pädagogischen Kursus daselbst; ca. 1896-1910 Dorfschullehrer in Michaelsburg (Kolonie Fürstenland), später im Donbas und zuletzt in Einlage; 1917-1930 Prediger, ab 1924 Ältester der Kronsweider Gemeinde.

Etwa 1910 musste Johann Martens den schlecht bezahlten Lehrerberuf aufgeben und die elterliche Wirtschaft übernehmen um seine immer größer werdende Familie zu unterstützen. Im Jahre 1917 wurde er als Prediger der Kronsweider Gemeinde gewählt. 1924, nach Auswanderung des Ältesten Johann P. Klassen nach Kanada, wurde Johann Martens als Ältester der Kronsweider Gemeinde gewählt. 1925 beteiligte er sich als Delegat an der Mennonitischen Bundeskonferenz in Moskau, die so genannte „Zweite Märtyrersynode der Taufgesinnten.“ Von den insgesamt 86 Teilnehmern wurden die meisten in den Jahren 1929-41 verhaftet und verbannt oder erschossen, nur 18 gelang es nach Kanada oder der USA auszuwandern. Alle Prediger mussten sich als „Kultusdiener“ registrieren lassen und verloren dadurch das Stimmrecht. Damit war ihnen auch jede Möglichkeit genommen, irgendeine Arbeitsstelle zu finden. Im Jahre 1928 begann ein immer stärker werdender Druck auf das religiöse Leben. Wie auf anderen Stellen wurden die Kirchen- und Predigersteuer immer höher geschraubt. Der Zweck war die Prediger so wie die Gemeinde als ganze die Lebensmöglichkeit zu nehmen. Solange er imstande war diese Zahlungen zu machen, hat er es treulich getan, bis man ihn eines Tages mit einer solch großen Summe belastete, die er nicht mehr aufbringen konnte. Er fand es zwecklos, diese Summe aufzutreiben, da man ihn doch so oder anders verbannen würde. Da hat sich doch die Gemeinde dafür eingesetzt und diese Summe bezahlt. Es war aber trotzdem alles vergebens. Kurz darauf, noch im Jahre 1929 trieb man die Familie von Haus und Hof. Sie durften aber vorläufig noch im Dorf bleiben. Am 5. März 1930 hat man der Familie Martens endlich völlig enteignet, auf ein Lastauto geladen und nach Kronsweide gebracht, wo sie einstweilig bei ihren Verwandten Abram Pätkaus wohnten. Auf einer Sitzung des Präsidiums des Einlager Dorfrats am 8. März 1930 wurde Martens Aussiedlung damit begründet, dass er ein stimmloser Kulak mit anti-sowjetischen Ansichten sei (GAZO Fond 235, op. 5, d. 75). Nach etwa 8 Monaten wurde die Familie nach Neuenburg umgesiedelt. Außerhalb des Dorfes wurden ihnen 5 ha vom schlechtesten Land zugeteilt (GAZO Fond 235, op. 3, d.48, p.7v, 12v), wo sie im Frühling Gemüse und Kartoffel ansetzten. Doch es war ihnen nicht gewährt ihren Garten zu ernten. In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1931 wurden die Eltern, mit den zwei jüngsten Kindern, zusammen mit noch etwa 2000 Seelen in Frachtwaggons verladen und nach dem Ural verbannt. Bei der Abfahrt erklang aus den Waggons das Lied „Befiehl du deine Wege.“ Nach 10-tägiger Fahrt kamen sie im Ural Gebiet bei der Stadt Bogoslow, unweit von Swerdlowsk, an. Da haben sie schwer in den großen Urwäldern ihr Leben gefristet. Der Tochter Lydia gelang es nach 8 Monaten zu fliehen. Durch die Bemühungen der Söhne durften Ältester Martens und seine Frau nach 4 schweren Jahren noch vor Ostern 1935 nach Einlage zurückkehren, hatten aber kein Zuhause mehr. Sie waren beide alt und kränklich. Im Sommer 1935 wurde Johann Martens, zusammen mit seinem Sohn Abram Martens, sein Stiefsohn Kornelius Peters und 8 weitere Männer verhaftet und im Herbst nach §58 als politischer Verbrecher auf 8 Jahre Straflager gerichtet. Die Vollstreckung des Urteils für Johann Martens und dessen Sohn Abram muss aus unbekannten Gründen aufgeschoben sein, denn Johann und Abram Martens wurden damals nicht verbannt. Doch im Juni-Juli 1938 wurde Johann Martens, seine Söhne Abram and Peter, und sein Schwiegersohn Isaak Thiessen abermals von der NKWD verhaftet. Eine Zeitlang waren sie im Gefängnis in Saporoschje; dann wurde der Familie gesagt sie seien nach dem fernen Norden verschickt. Abram Martens und Isaak Thiessen wurden aber beide im Oktober in Saporoschje erschossen. Vater Johann Martens und Sohn Peter wurden höchstwahrscheinlich auch erschossen, denn dieses schreckliche Schicksal traf damals mehr wie 80% der deutschen die in den Jahren 1937-38 im Saporoschje Gebiet verhaftet wurden. Seitdem fehlt von beiden jede Nachricht.

Literatur: A. TÖWS: Märtyrer, S. 97-99.

DYCK, Lydia (geb. Martens): Interview am 5 September 2004 in Winnipeg, Kanada. EPP, Johann: Freuden und Leiden der Familie Olga Wiebe und Johann Epp, Espelkamp: Selbstverlag, 1983, S.59. GAZO (Gosudarstvenii Arkhiv Zaporozhskii Oblast’): fond R-235, opis 3, delo 48, S. 7v, 12v; fond R-235, opis 5, delo 75. KLASSEN, Isaak P.: Die Geschichte der Kronsweider Gemeinde, Unveröffentlichtes Manuskript, Juni 1984, Mennonite Heritage Centre Archives (Winnipeg), Vol. 4224, File 4. LETKEMANN, Peter: A Book of Remembrance – Mennonite Victims of the Second Revolution, 1929-1941. (in Vorbereitung) REMPEL, Hans: Er führet mich – Lebenserinnerungen, Unveröffentlichtes Manuskript. TÖWS, Aron A.: Mennonitische Märtyrer der jüngsten Vergangenheit und der Gegenwart. Winnipeg: Selbstverlag, 1949, S. 97-99. WINTER, Henry H.: Ein Hirte der Bedrängten. Wheatley, Ontario, Selbstverlag, 1988, S.13-18.

Submitted by Peter Letkemann

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